Was aussieht wie ein Originalprodukt, muss keines sein. Produktfälschungen betreffen längst nicht mehr nur Mode oder Konsumgüter. Auch Werkzeuge und elektrotechnische Produkte werden nachgeahmt. Oft ist für Anwender schwer zu erkennen, ob es sich um ein Original oder eine Nachahmung handelt. Mehrere Fälle der vergangenen Zeit zeigen, wie nah manche Plagiate am Original sind und welche Probleme dadurch entstehen können.
Bekannte Produkte im Visier von Fälschern
Ein aktuelles Beispiel betrifft das bekannte Schalterprogramm „Busch-balance SI“ von Busch-Jaeger. Das deutsche Handelshaus Klein erhielt dafür im Februar einen Plagiarius, einen Negativpreis für Produktfälschungen. Der Anbieter hatte Design und technische Details der Serie nahezu identisch übernommen und seine Nachahmung mit den Worten beworben: "Das Schalterprogramm BBwhite, passend zu Busch-Jaeger Balance SI in Alpinweiß RAL 9010, bietet eine kostengünstige Option." Busch-Jaeger geht nach Angaben der Aktion Plagiarius rechtlich gegen den Anbieter vor. Auf dessen Website finden sich inzwischen kleine Änderungen in den Produktbeschreibungen – die entsprechenden Produkte werden jedoch weiterhin angeboten.
Auch Werkzeuge sind betroffen. So werden auf Online-Plattformen tausendfach Nachahmungen der Zange „TwinGrip“ von KNIPEX angeboten. Das Original zeichnet sich durch eine spezielle Greiffunktion und ein besonders belastbares Gelenk aus. Die Plagiate sehen dem Werkzeug auf den ersten Blick ähnlich, unterscheiden sich jedoch deutlich in Qualität und Verarbeitung. Billige Materialien, eine geringere Lebensdauer und teilweise chemische Ausdünstungen zeigen schnell, dass es sich nicht um das Original handelt.
Besonders kritisch wird es, wenn Plagiate sicherheitsrelevante Eigenschaften nur vortäuschen. So wurden zuletzt VDE-isolierte Schraubendreher des Typs „Proturn“ von Wiha nachgeahmt und als angeblich isolierte Werkzeuge angeboten. Die Fälschungen übernahmen nahezu vollständig die typische Form und Farbkombination der Griffe und wurden ebenfalls als „isoliert“ beworben. Tatsächlich fehlte jedoch die VDE-Registrierung gemäß DIN EN IEC 60900. Tests zeigten, dass die Schraubendreher die Anforderungen der Norm nicht erfüllen. Bei Arbeiten an elektrischen Anlagen kann dadurch ein erhebliches Risiko entstehen – im schlimmsten Fall droht ein Stromschlag. Solche Fälle zeigen, dass Plagiate nicht nur wirtschaftlichen Schaden verursachen, sondern auch ein Sicherheitsrisiko darstellen können.
Auf Produktpiraterie und Ideendiebstahl macht seit vielen Jahren die Organisation „Aktion Plagiarius e. V.“ aufmerksam. Gegründet wurde die Initiative vom Industriedesigner Rido Busse. Nachdem er auf einer Messe ein nahezu identisches, aber qualitativ deutlich schlechter verarbeitetes Produkt seiner eigenen Entwicklung entdeckte, wollte er auf das Problem aufmerksam machen. Seitdem steht die kleine schwarze Figur mit der goldenen Nase – der „Plagiarius“ – symbolisch für die Profite, die Produktpiraten auf Kosten anderer erzielen.
Beim Kauf über Billig-Online-Plattformen ist daher Vorsicht geboten. Gerade bei Werkzeugen oder elektrotechnischen Produkten können Fälschungen nicht nur eine geringere Qualität haben, sondern auch sicherheitsrelevante Anforderungen verfehlen. Wer auf geprüfte Produkte setzt, kauft deshalb besser über vertrauenswürdige Quellen wie den Fachhandel oder den Elektrogroßhandel.