Reparieren statt wegwerfen: Mit dem neuen EU-Recht auf Reparatur sollen Elektrogeräte langlebiger werden; eine Chance für Umwelt, Verbraucherinnen und Verbraucher und den lokalen Fachhandel. Doch zwischen Amazon & Co. und gesetzlichen Hürden braucht es kluge Strategien. Warum sich Service und Sichtbarkeit jetzt doppelt lohnen und wie sich Betriebe zukunftssicher aufstellen können.
Was tun, wenn die Waschmaschine streikt? In vielen Haushalten landet sie kurzerhand auf dem Elektroschrott. Eine Reparatur scheint teuer, aufwändig und unpraktisch. Also wird neu bestellt; oft bei großen Onlinehändlern mit Expresslieferung. Die Folge: unzählige Geräte werden entsorgt, obwohl sie mit wenig Aufwand hätten repariert werden können.
Genau hier setzt die neue EU-Richtlinie zum "Recht auf Reparatur" an: Sie will das Verbraucherrecht stärken, die Lebensdauer von Produkten verlängern und damit Umwelt und Ressourcen schonen. Für den lokalen Fachhandel bedeutet das: Herausforderungen, aber auch große Chancen.
Der lange Weg zur Reparatur
Das Ziel der neuen Verordnung ist klar: Die Reparatur soll einfacher, transparenter und wirtschaftlicher werden als der Neukauf. Im besten Fall entsteht daraus eine Win-Win-Win-Situation: für Verbraucher, Umwelt und Fachhandel. Doch ganz so einfach ist es leider nicht.
Die EU-Richtlinie sieht vor, dass Hersteller Reparaturen innerhalb eines angemessenen Zeitraums und zu einem angemessenen Preis ermöglichen müssen. Ersatzteile sollen länger verfügbar sein, Geräte reparaturfreundlicher gebaut und Reparaturinformationen für Betriebe zugänglich gemacht werden. Ziel ist es, den Reparaturweg attraktiver und wirtschaftlich sinnvoller als den Neukauf zu machen.
Für viele Betriebe wird die Umsetzung zur Herausforderung. Zum einen wegen des Fachkräftemangels: Wer Elektrogeräte reparieren will, braucht einen Meisterbetrieb. Zum anderen fehlen oft Ersatzteile, Anleitungen oder die Geräte sind schlichtweg so gebaut, dass Reparaturen kaum möglich sind (Stichwort: verklebte Akkus und geschlossene Systeme). Hier braucht es politische Klarheit und faire Bedingungen für den Fachhandel.
Zudem ist die Gesetzeslage bisher noch schwer zu deuten, denn „angemessen“ kann sehr unterschiedlich ausgelegt werden – es scheint noch Konkretisierungsbedarf zu geben.
Neue Kundschaft durch verändertes Bewusstsein?
Auch Konsument:innen müssen bereit sein, umzudenken: statt sofort neu zu bestellen lieber reparieren lassen; selbst wenn es etwas länger dauert oder mehr kostet. Im Gegenzug soll die Qualität von Produkten steigen. Hersteller müssten langlebiger produzieren, was sich wiederum im Preis niederschlägt.
Das Recht auf Reparatur funktioniert nur, wenn sich auch die Mentalität ändert – bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber auch im Handel. Reparieren statt Wegwerfen muss wieder zur Selbstverständlichkeit werden. Und wer bereit ist, mehr für Qualität zu zahlen, sucht auch wieder den Kontakt zu Fachleuten; nicht nur zur günstigsten Lieferoption.
Service und Sichtbarkeit
Während Online-Riesen immer mehr und immer schneller liefern, bleibt der große Vorteil lokaler Fachbetriebe unangefochten: der Service. Wer ein Gerät nicht ersetzen, sondern reparieren lassen will, sucht regionale Anbieter mit direktem Kontakt, fairer Beratung und erreichbaren Ansprechpersonen. Das ist die Chance des Fachhandels: Wenn Reparatur attraktiver wird, könnte sich der Trend vom Onlinekauf zur lokalen Bindung verschieben. Und wer einmal zufrieden war, kommt vielleicht beim nächsten Bedarf wieder. Aber wie wird der kleine Fachhandelsladen im Vorort überhaupt gefunden?
Die Kundschaft von morgen werden Sie nicht mehr durch altbewährte Marken im Schaufenster erreichen; Sie finden sie online. Eine gute Webseite, ein Google-Eintrag und präsente Social-Media-Kanäle schaffen gerade bei jüngeren Zielgruppen Vertrauen und Reichweite. Wer dort nicht auftaucht, wird schnell übersehen. Dabei braucht es kein Profi-Marketing: Ein einfaches Foto aus dem Laden, ein kurzer Einblick in Ihren Alltag oder ein Vorher-Nachher-Beispiel reichen oft aus, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Unser Angebot: Wir helfen Euch dabei
In unseren Schulungen zu Social Media und Management im Handwerk lernen Sie, wie Sie Ihre Kanäle professionell aufbauen, Inhalte planen und mit Keywords arbeiten. Sie erstellen Ihr erstes Profil, lernen Tools kennen und können Ihren Onlineauftritt direkt mit uns entwickeln.
Was lernen wir daraus?
Ob das Recht auf Reparatur den Markt revolutionieren wird, ist offen. Sicher ist aber schon jetzt: Wer vorbereitet ist, kann bald profitieren. Fachhändler sollten die Zeit nutzen, um sich sichtbar, serviceorientiert und digital aufzustellen. Denn wenn demnächst jemand „Bluetooth-Box reparieren“ googelt, sollte Ihr Betrieb ganz oben erscheinen.