Zölle, Strompreis, die neue Förderung von Elektroautos, KI oder das ausgebremste Mercosur-Abkommen: Bei der Pressekonferenz zum Jahresauftakt vom Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) am 26. Januar kamen alle Themen der Zeit zur Sprache. Zu Beginn bot ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel einen Rückblick aufs vergangene Jahr. Der fiel bescheiden aus: Die von seinem Verband geforderte Effizienzwende sei ebenso ausgeblieben wie der Herbst der Reformen oder ein größerer Aufschwung.
Dennoch: Die Branche konnte das Niveau der Beschäftigung nahezu halten. Ende November 2025 beschäftigten die Hersteller 877.000 Personen. Das sind 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Branche bleibt damit insgesamt stabil.
Erste Signale der Erholung
Einige Daten geben Grund zur Zuversicht. „Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie dürfte 2026 nach drei Jahren Stagnation und Rückgang erstmals wieder wachsen“, sagte Kegel. „Die Branche hat sich stabilisiert. Wir rechnen für dieses Jahr wieder mit einem realen Produktionsplus von zwei Prozent.“ Für 2025 schlägt hier noch ein leichtes Minus von 0,5 Prozent zu Buche (Januar – November).
Wachstum verzeichneten sowohl die Erlöse mit Gütern und Dienstleistungen als auch die Auftragseingänge, die 2025 um fünf Prozent zulegen konnten. Die Exporte stiegen von Januar bis November um 4,6 Prozent auf 236,2 Milliarden Euro.
Auch die Produktionskennzahlen deuten auf eine vorsichtige Erholung hin. Mit 78 Prozent liegt die Kapazitätsauslastung in der Branche um vier Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Bis zum langfristigen Mittel von 83 Prozent besteht also noch Luft nach oben.
Doch was heißt das konkret für produzierende Unternehmen?
Heimvorteil bei der Industriellen KI
Große Wachstumschancen sieht der ZVEI in der Nutzung von künstlicher Intelligenz. „Unsere Unternehmen haben bei industriellen KI-Anwendungen eine starke Ausgangsposition“, sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Hier gehe es nicht um die bekannten großen Sprachmodelle (LLM), sondern um industrielle Rechen- und Optimierungsmodelle, die mit präzisen Produktions- und Prozessdaten trainiert werden. Deutschland verfüge aufgrund seiner traditionell starken Industrie über genau diese Datentiefe – ein echter Standortvorteil.
Wie konkret dieser Hebel in der Praxis wirkt, zeigt beispielsweise die automatisierte optische Qualitätsprüfung mit Lösungen wie Siemens Inspekto. Das System lernt Bauteile in kürzester Zeit kennen und erkennt Abweichungen eigenständig, ganz ohne aufwendige Programmierung. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen wird KI damit zum realistischen Werkzeug in der Fertigung, nicht zur Zukunftsvision.
Wie solche Lösungen in der Praxis eingesetzt werden, zeigt Alexander Bürkle am 10. und 11. März 2026 live auf der all about Automation in Friedrichshafen. Dort wird deutlich: Industrielle KI ist kein abstraktes Trendthema, sie ist ein produktiver Baustein für mehr Effizienz, weniger Ausschuss und stabile Prozesse.
Damit solche Anwendungen ihr Potenzial voll entfalten können, braucht es allerdings passende Rahmenbedingungen. Weber: „Industrielle KI im AI Act zu regulieren, ist wie die Einführung von Tempo 30 auf der Autobahn. Wir bremsen uns selbst aus. Das darf nicht sein.“ Der ZVEI fordert deshalb, industrielle Anwendungen aus dem AI Act herauszunehmen.